Der Knigge-Kurs – die Juffis benehmen sich mal ganz vornehm

Ein paar Mal im Jahr sitzen die Jungpfadfinder in ihrem Gruppenraum und überlegen, was sie denn in ihrer Zeit als Juffi noch machen könnten. Es war wieder mal so ein Tag. Wir trugen unsere Ideen zusammen. Ein Ausflug zum Schwimmen, Batiken, Basteln mit Pappmaché waren die Ideen. Dann kam mir noch eine Idee. In meinem alten Stamm habe ich gehört, wie sich Jungpfadfinder darüber unterhielten, dass sie einen „Knigge-Kurs“ in ihrer Gruppenstunde gemacht hatten. Kochen, Tisch decken und Tischmanieren, eigentlich etwas, was Kinder nicht mögen, aber sie erzählten begeistert davon. Unsicher, wie die Idee ankommt, schlug ich vor: „Einen Knigge-Kurs vielleicht?“ Die Kinder waren gleich ganz neugierig und als ich erklärt hatte, worum es ging, waren sich alle einig – das müssen wir machen.

Wir lernen Knigges Regeln kennen

Als die Sommertage vorbei gingen und es wieder kälter und nasser wurde, nahmen wir es in Angriff: Wir gaben den Kindern den Auftrag mit nach Hause, sich Gedanken zu machen, wie man sich am Tisch verhält, was man für den Tisch braucht und wie man den Tisch deckt.
Eine Gruppe Mädchen brachte einen Plan mit, mit dessen Hilfe sie die Küche nach passendem Geschirr durchforsteten. Eine Gruppe Jungen kümmerte sich um die allgemeinen Tischregeln und Manieren, die man an den Tag zu legen hat, wenn man ordentlich bei Tisch essen möchte: „Wenn die Frau des Hauses beginnt zu essen, dürfen alle anderen auch beginnen. Steht die Frau auf, müssen sich alle Männer am Tisch erheben, legt die Frau des Hauses die Serviette auf die Linke Seite ihres Tellers, ist das Essen für alle beendet.“ Das waren ein Paar der Regeln, die sich die Jungen ange-schaut hatten. Eine weitere Gruppe überlegte sich, was man zu Essen kochen könnte: Eine Lauchcreme-Suppe zur Vorspeise, Spaghetti mit Tomatensauce zum Hauptgericht und ein Mascarpone-Nachtisch á la Spaghetti-Eis zum Nachtisch. Dazu sollten Brot und Kräuterbutter gereicht werden. Zu Trinken sollte es Wasser, Traubensaft als Rot- und Apfelsaft als Weißwein geben.

Unser perfektes Knigge-Dinner

In der nächsten Gruppenstunde war es dann so weit: Wir liehen uns Geschirr aus dem Gemeindehaus, damit alles gleich und edel aussah, dann deckte eine Gruppe Kinder den Tisch, die Anderen kochten das Essen.

Alles sah sehr schön aus. Weiße Tischdecken, rote Servietten, Wasser-, Wein- und Sektgläser blitzten. Die Getränke warteten in Glaskaraffen. Wir waren richtig stolz auf den schön gedeckten Tisch!
Dann kam der erste Gang. Die Speisen wurden natürlich von der linken Seite gereicht. Alle waren sehr höflich zueinander. Es wurde sich bedankt, es wurde nicht geschmatzt und auch sehr wenig gekleckert.
Die Zeit verflog im Nu. Schon war es halb sieben, wir hatten noch nicht einmal den Nachtisch gegessen. So schnell es die Höflichkeit gebot, servierten und aßen wir den Nachtisch. Alle fassten mit an, als es ans Aufräumen ging, um sieben Uhr waren wir dann fertig. Satt, zufrieden und froh, dass die Pfadfinder im Tausch gegen die Reste die Spülmaschine für uns ausräumten, verabschiedeten wir uns.

Knigge-Kurs der Jungpfadfinder

Ganz vornehm. – Und geschmeckt hat es den Juffis auch!

Die Juffis fanden das Projekt sehr spannend und haben es nicht bereut, sich auf das Thema eingelassen zu haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht, diese neue Situation am Esstisch auszuprobieren, sich gegenseitig an das Einhalten der Regeln zu erinnern, gleichzeitig selbst andere Regeln zu vergessen. Ein sehr gelungenes Projekt.

Tamara

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